Zum Inhalt springen
Historische Lehrtafel mit Strichzeichnungen von vier Tarot-Trumpfkarten auf vergilbtem Papier
Tafel mit Tarot-Trumpfkarten aus „Le Monde primitif“, Bd. 8 – Antoine Court de Gébelin (1781), gemeinfrei · Bildnachweis

Tarot lernen: dein Einsteigerkurs in zehn Lektionen

Du möchtest Tarot lernen, weißt aber nicht, wo du anfangen sollst? Dann bist du hier richtig. In zehn kurzen Lektionen führen wir dich vom Aufbau des Decks bis zu deiner ersten eigenen Legung. Du brauchst kein Vorwissen, nur etwas Neugier und ein bisschen Zeit. Nimm dir gern eine Lektion pro Tag vor.

Lektion 1: Woher Tarot kommt

Tarot ist jünger, als viele denken. Die ältesten erhaltenen Karten stammen aus dem Italien des 15. Jahrhunderts. Dort wurden sie für ein Kartenspiel namens „Tarocchi“ genutzt, ein Stichspiel, bei dem die Bildkarten als Trümpfe dienten. Mit Wahrsagerei hatten die Karten damals nichts zu tun.

Erst im späten 18. Jahrhundert begannen französische Okkultisten, den Karten eine geheimnisvolle Bedeutung zuzuschreiben. Den größten Einfluss auf das heutige Tarot hatte das Deck, das 1909 in London erschien: gestaltet von der Künstlerin Pamela Colman Smith nach den Ideen von Arthur Edward Waite, verlegt von William Rider & Son. Dieses Rider-Waite-Tarot ist bis heute das bekannteste Deck und Grundlage dieses Kurses.

Lektion 2: Der Aufbau des Decks

Ein Tarotdeck hat 78 Karten, aufgeteilt in zwei Gruppen:

  • Die Große Arkana: 22 Karten von 0 bis 21 für die großen Lebensthemen.
  • Die Kleine Arkana: 56 Karten in vier Farben für den Alltag, jeweils mit zehn Zahlenkarten und vier Hofkarten.

Wenn du dir diesen Aufbau einmal eingeprägt hast, findest du dich in jedem Deck zurecht. Einen ausführlichen Überblick gibt dir das Kartenlexikon.

Lektion 3: Die Große Arkana als Reise des Narren

Die 22 Trümpfe lassen sich als Geschichte lesen. Der Narr (0) bricht auf und begegnet unterwegs allen anderen Karten. Vom Magier lernt er, seine Fähigkeiten zu nutzen, von der Hohepriesterin, auf seine Intuition zu hören. Er erlebt Liebe, Prüfungen, Stillstand und Abschied. Nach dem Tod kommt die Mäßigkeit, nach dem Turm der Stern. Am Ende steht die Welt, die Vollendung, bevor eine neue Reise beginnt.

Diese Geschichte hilft beim Merken: Jede Karte ist eine Station, ein Lehrer auf dem Weg.

Lektion 4: Farben und Elemente

Die vier Farben der Kleinen Arkana sind den vier Elementen zugeordnet:

  • Stäbe – Feuer: Energie, Tatendrang, Leidenschaft.
  • Kelche – Wasser: Gefühle, Beziehungen, Intuition.
  • Schwerter – Luft: Gedanken, Worte, Entscheidungen.
  • Münzen – Erde: Arbeit, Körper, Zuhause, Beständigkeit.

Merke dir einfach: Stäbe handeln, Kelche fühlen, Schwerter denken, Münzen bauen.

Lektion 5: Die Zahlen

Jede Zahl hat eine Grundbedeutung, die in allen vier Farben mitschwingt:

  • Ass: Anfang, Potenzial
  • Zwei: Begegnung, Entscheidung, Balance
  • Drei: Wachstum, erstes Ergebnis
  • Vier: Stabilität, manchmal Stillstand
  • Fünf: Reibung, Verlust, Herausforderung
  • Sechs: Ausgleich, Harmonie
  • Sieben: Prüfung, Innehalten
  • Acht: Bewegung, Kraft
  • Neun: fast am Ziel
  • Zehn: Abschluss, Fülle oder Überfülle

Kombinierst du Zahl und Element, kannst du dir viele Karten selbst erschließen: Die Fünf der Kelche ist Reibung im Gefühlsleben, also Enttäuschung. Die Acht der Stäbe ist Bewegung im Feuer, also Tempo.

Lektion 6: Die Hofkarten

Jede Farbe hat vier Hofkarten. Sie können Menschen in deinem Leben darstellen oder Seiten von dir selbst:

  • Page: lernt, entdeckt, bringt Nachrichten.
  • Ritter: handelt, bewegt sich, manchmal stürmisch.
  • Königin: verkörpert das Element nach innen, fürsorglich und reif.
  • König: verkörpert das Element nach außen, leitend und verantwortungsvoll.

Ein Trick hilft beim Merken: Verbinde Rang und Element. Die Königin der Kelche ist Wasser in seiner reifsten, nach innen gewandten Form, also ein einfühlsamer, intuitiver Mensch. Der Ritter der Schwerter ist Luft in Bewegung, also jemand, der schnell denkt und schnell spricht. Der Page der Münzen ist Erde, die gerade erst entdeckt wird, also jemand, der sorgfältig etwas Neues lernt.

Hofkarten gelten als die schwierigsten Karten zum Lernen. Hab Geduld mit dir.

Lektion 7: Umgekehrte Karten

Liegt eine Karte auf dem Kopf, sprechen viele von einer umgekehrten Karte. Sie kann bedeuten, dass die Energie der Karte blockiert, abgeschwächt oder nach innen gerichtet ist. Die umgekehrte Drei der Kelche könnte etwa für eine Feier stehen, bei der du dich nicht ganz zugehörig fühlst.

Ob du umgekehrte Karten nutzt, entscheidest du selbst. Für den Anfang ist es völlig in Ordnung, alle Karten aufrecht zu lesen.

Lektion 8: Gute Fragen stellen

Die Qualität einer Legung hängt stark von der Frage ab. Gute Fragen sind:

  • offen: „Wie kann ich …?“ statt „Wird …?“
  • auf dich bezogen: Was kannst du tun, statt was andere tun werden.
  • klar: ein Thema pro Legung.

Statt „Wird er sich melden?“ frag lieber „Was hilft mir, mit der Funkstille gut umzugehen?“.

Lektion 9: Deine erste eigene Legung

Jetzt bist du bereit. Starte mit der Drei-Karten-Legung: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. So gehst du vor:

  • Formuliere deine Frage und schreib sie auf.
  • Ziehe drei Karten und leg sie nebeneinander.
  • Schau dir die Bilder an, bevor du nachliest. Was fällt dir auf?
  • Bestimme Farbe und Zahl jeder Karte und überlege, was sie bedeuten könnten.
  • Lies die drei Karten als zusammenhängende Geschichte.

Ein kleines Beispiel: Du fragst „Was hilft mir, im neuen Job anzukommen?“ und ziehst die Fünf der Stäbe, den Pagen der Münzen und die Drei der Münzen. Die Fünf der Stäbe zeigt das Gerangel der ersten Wochen: viele Meinungen, wenig Routine. Der Page der Münzen in der Gegenwart lädt dich ein, neugierig und geduldig zu lernen. Die Drei der Münzen in der Zukunft zeigt gute Zusammenarbeit, in der dein Können gesehen wird. Zusammen erzählen die Karten: Lass dir Zeit, frag nach, dann findest du deinen Platz im Team.

Keine Sorge, wenn deine ersten Deutungen noch holprig klingen. Das gehört dazu. Wichtig ist, dass du dich traust, eigene Gedanken zu formulieren, statt nur Bedeutungen abzuschreiben. Mit jeder Legung wächst dein Gespür dafür, wie Karten zusammenwirken.

Halte deine Deutung im Tarot-Tagebuch fest. So siehst du später, wie du dazugelernt hast. Zum Üben der Bedeutungen helfen dir unsere Karteikarten und das Quiz.

Lektion 10: Achtsamer Umgang mit Tarot

Tarot ist ein Werkzeug zur Selbstreflexion und Unterhaltung, kein Orakel, das die Zukunft festlegt. Ein paar Grundsätze helfen dir, gut damit umzugehen:

  • Lass dir von keiner Karte Angst machen. Jede hat helle und dunkle Seiten.
  • Triff wichtige Entscheidungen nicht allein auf Grundlage der Karten.
  • Bei gesundheitlichen, rechtlichen oder finanziellen Fragen hol dir fachkundigen Rat.
  • Lege nicht immer wieder zur selben Frage, nur weil dir das Ergebnis nicht gefällt.
  • Wenn du für andere legst, sei behutsam und respektvoll.

Wenn du diese Lektionen durchgearbeitet hast, hast du eine solide Grundlage, um Tarot zu lernen und Schritt für Schritt zu vertiefen. Viel Freude dabei!

Häufige Fragen zum Tarot lernen

Wie lange dauert es, Tarot zu lernen?

Die Grundlagen hast du in ein paar Wochen drauf. Mit allen 78 Karten wirklich vertraut zu werden, ist ein schöner, längerer Prozess, der nie ganz aufhört.

Brauche ich ein eigenes Tarotdeck?

Für den Anfang nicht. Du kannst hier online Karten ziehen und lernen. Ein eigenes Deck ist aber schön, um die Karten in den Händen zu halten.

Muss ich alle Bedeutungen auswendig können?

Nein. Wer Elemente, Zahlen und Hofkarten verstanden hat, kann sich viel herleiten. Nachschlagen ist ausdrücklich erlaubt.

Kann jeder Tarot lernen?

Ja. Du brauchst keine besondere Gabe, nur Neugier, etwas Übung und Freude an Bildern und Geschichten.